Bodenmais 2013 - ein (nicht ganz erst gemeinter) Rückblick

Sonntag, 27.01.13

Hatte ja meine Zweifel! Gehen kann ich … Laufen kann ich … sogar Skaten kann ich – muss ich mir also so etwas noch antun? Langlauf? Und das auch noch in der Skating-Technik? Egal, Freundin Moni hat über Monate konsequent gequengelt und ich in einem Moment der Schwäche nachgegeben – und so mache ich mich heute mit einem Haufen offenbar wild entschlossener und verwegener Skilangläufer auf den Weg in Richtung Bayrischer Wald … NOCH ist alles gut!

 

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Okay, habe meine Stullen irgendwo auf dem Weg zum Treffpunkt verschludert, das Angebot im Bus ist aber konkurrenzlos gut und die Mitfahrer anscheinend ausgesprochen nett und laden zum Teilen ein. Vermute, sie wollen sich mein Vertrauen erschleichen, bin aber skeptisch-aufmerksam und bleibe wachsam!

Ein paar erste Neckereien, ein oder zwei gemeinsame Bierchen im Bus, alles scheint sehr freundlich. Bin doch sehr gespannt, wie es mir auf den Langlaufbrettern ergehen wird, im Fernsehen sieht das doch immer sehr leicht, locker, dynamisch aus.

Am Ort angekommen gleich die Ausgabe der Latten, Schuhe, Stöcker, jetzt wird es ernst! Von den Leuten der Skischule werde ich angesprochen, verstehe aber nur irgendetwas mit „Schkätah“ und ein anerkennendes Nicken – oder waren da erste Zweifel in diesen Gesichtern? Oder sogar Hähme und Spott?

Sicherheitshalber macht ein Tablett mit kleinen Schnäpschen die Runde. Vermute, dass man die skifahrerische Konkurrenz aus dem Ruhrgebiet etwas schwächen will!

Am Abend dann ein vorsichtiges Annähern an heimische Gebräuche und Getränke … meine Güte, habe das Gefühl versehentlich irgendwelche Mittel zum Einreiben getrunken zu haben! Was wird hier destilliert? Alte Eisenbahnschwellen?

Montag, 28.01.13

Am Bus warten alle Athleten. Moni entdeckt, dass bei Mitfahrer Fritz ein „Herzchen auf die Brosche gemalt“ worden ist und findet das „süüüß“ … wie peinlich! Ich konzentriere mich auf sportliche Höchstleistungen und hier wird noch gescherzt! Na wartet, gleich gibt es noch ein bitteres Erwachen.

Skilehrer Markus lächelt so entspannt, er führt bestimmt etwas im Schilde!

Dann Aufwärmen, Kragen hoch, Ski an und … ICH KANN DAS!

Okay, ich kann’s, aber nur ein paar Meter – und dann holt das „Hurra!“ ein „Aua!“ ein, weicht das Hochgefühl der Gravitation! Die Hüfte schmerzt ein wenig, gehört aber anscheinend dazu, alle anderen Lachen! Ich wusste doch, denen ist nicht zu trauen!

Rappele mich tapfer auf und höre Skilehrer Markus aufmerksam zu. „Langsam“ und „entspannt“ sollen wir fahren, ganz offenbar soll die sportliche Konkurrenz gezielt zurückgehalten werden. Kontere technische Hinweise mit wildem Krafteinsatz, rappele mich ein viertes, neuntes, dreizehntes Mal aus dem Schnee hoch … warum falle ich eigentlich immer auf die linke Hüfte und warum tun diese im Grunde so wunderbar leichten Flocken bei wiederholtem Kontakt so weh?

Nach der Mittagspause kündigen Moni und Fritz an, dass sie die Tourenabfahrt fahren wollen – ja nee, is klar! Da ich ja nicht feige bin, kündige ich meine Mitfahrt an … was mir boshafter Weise nur verschwiegen wurde, ist die Steigung gleich hinter der Kurve!

Vermutet weit jenseits der Baumgrenze, also oben angelangt und jetzt die Skier nun auf den Schultern, kündige ich an noch ein wenig „Feinschliff“ an meiner Technik machen zu wollen, mich „richtigerweise auf den Stockeinsatz konzentrieren“ zu wollen, das „Kanten verfeinern“ zu müssen - und verstecke mich wild keuchend hinter dem nächsten Baum! Jetzt keine Schwäche zeigen, außerdem müssen die Beiden definitiv verrückt sein!

Irgendwie im Quartier angelangt schleppe mich mit letzter Kraft in die Sauna … und schlafe hier gleich vollkommen erschöpft ein!

Am Abend dann „Eisstockschießen“ … falle mehrfach bei dieser kuriosen Betätigung auf’s Eis … natürlich auf die linke Hüfte … „tolle“ Idee! Bei der Nachbereitung dann wieder seltsame Getränke – wenn das Zeug zum Trinken ist, womit beizt man dann hier die alte Farbe von morschen Treppenstufen ab?

 

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Dienstag, 29.01.13

Schmerzen! Außer meiner Kiefermuskulatur und einer kleinen Stelle hinter dem rechten Ohr tut mir ALLES WEH! WIRKLICH ALLES!

Weiß nicht, wie ich aus dem Bett Aufstehen soll, komme beim Socken anziehen nicht mehr an meine Füße, selbst das Atmen schmerzt. Werfe mir Magnesium ein, schmiere Salbe auf die Hüfte, schlucke alle verfügbaren Pillen!

Vermute natürlich, dass man mir absichtlich am Vorabend irgendetwas in das Mineralwasser gemixt hat, spätestens auf den ersten Metern mit den Stöcken in der Hand und Skiern unter den Füßen bekomme ich eine Ahnung von der wahren Herkunft der Schmerzen …

Skilehrer Markus lächelt schon fast schmerzhaft gemein und kündigt die ersten Technikeinheiten am Berg an, jetzt will er uns offenbar den Rest geben!

Mich bekommt er aber nicht geschafft – so zumindest meine Absicht! Kämpfe gefühlte Stunden und fahre mir dabei versehentlich drei- oder viermal fast mit den Skiern über die Zunge … Langlauf KÖNNTE so schön sein! Warum kommen nur auf entspannte 18 Sekunden Abfahrt gleich immer gefühlte 14 Minuten Bergtraining?

Nach ein paar Einheiten in der „Zwei-Einser“- und „Ein-Einser-Technik“, mit dem „Siitonen-Schritt“ und im „Mädchen-Aufstieg“ versuche ich mich immer häufiger mit kurzen Intervallen im „Liegendanschlag“ … ist ja auch wichtig, will ebenfalls geübt werden!

Moni und Fritz fahren wieder zur Tourenabfahrt, leiden offenbar unter Sauerstoffmangel in dieser Höhe!

Ich für meinen Teil schaffe es diesmal in der Sauna bis zur Liege … und schlafe dort erst ein!

Die Schlittentour am Abend muss „leider“ ausfallen – ich hätte es ohnehin nicht mehr in meine Schuhe geschafft!

Dafür dann „gemütlicher Abend“ bei Spielen und Bier – und bei den hiesigen Schnäpsen wundert mich gar nichts mehr! Mandelentzündungen haben definitiv keine Chance, gurgelt man hier doch mit scheinbar reinen Desinfektionslösungen!

Mittwoch, 30.01.13

Es bläst über dem „Bretterschachten“ – und so kann ich mangelnde Schnellig- und Geschmeidigkeit auf den Gegenwind schieben. Das geht, geschickt argumentierend, in alle Richtungen fahrend (schließlich dreht sich die Erde unter unseren Füßen ja auch permanent).

Muss auch feststellen, dass die Längen der Loipe nicht mit dem Fassungsvermögen meiner Lungenflügel kompatibel sind …

Beim „Schihkursch“ mit Markus wieder seine souverän lächelnde Art … und das Langlaufen sieht bei ihm sooo entspannt aus … warum nicht bei mir? Sicher hat er irgendwelche unerlaubten Hilfsmittel unter den Skiern, die Ausgebufftheit der Bergvölker kennt man ja!

Eigentlich wollten wir ja noch zum „Biathlon“ … hätte Markus gerne gezeigt, wie gut ich Schießen kann … aber der Wind …

Schaffe es in der Sauna mittlerweile locker bis zum zweiten Gang und schlafe erst bei einem kurzen „Augenausruhen“ beim Anziehen ein. Deute das mal als Leistungssteigerung, bin „fitt“ mittlerweile!

Donnerstag, 31.01.13

Mache mich das erste Mal in großer Runde mit allen „klassischen Skilangläufern“ auf die Strecke. Bin seeehr skeptisch, ob das klappen kann, ob ich werde mithalten können … und es KLAAAAAAAAAPT! Platze, trotz erneut einiger Stürze, fast vor Stolz.

Meine sogar wahrgenommen zu haben, dass ein paar Leute an der Strecke stehen blieben und mit Fingern auf mich zeigten, habe dabei „Ole-Einar“-Rufe wahrgenommen … na ja, vielleicht lag es auch einfach an der Höhe und dem Sauerstoffmangel!

Überlebe selbst Sauna und die obligatorisch alkoholische Testreihe … werde von Moni und Fritz gelobt … Leben, du kannst sooo schön sein!

Freitag, 01.02.13

Wieder mit den „erfahrenen Langläufern“ unterwegs, wieder große Runde. Ganz offenbar hat allerdings mein Service-Techniker diesmal über Nacht den Gleitwachs mit einer Tube Sekundenkleber verwechselt und bereits nach wenigen Metern über Neuschnee habe ich „entspanntes Gleiten“ gegen „Stöckeln auf Schnee-High-Heels“ getauscht. Bin mir auch bei Moni und Fritz nicht sicher … waren die das? … die Lächeln jetzt so komisch!

Komme triefend, keuchend, schweiß-gebadet in der Hütte an, Hemd und Pullover sind patschnass … Saunaeinheit war heute also schon auf der Strecke! Fülle sicherheitshalber Flüssigkeit nach!

Am Abend dann eine weitere Ausdauer-Einheit auf der Tanzfläche der hiesigen Diskothek. Moni und Fritz zeigen mir fittness-technisch wieder die Grenzen auf … unglaublich!

Samstag, 02.02.13

Schneeschuhwanderung! Nachdem mir zunächst nicht richtig klar war, warum man bei 30 bis 40cm Neuschnee nicht besser im Haus bleibt, habe ich nun aber auch gar nichts zu meckern!

Verbrauche meinen ganzen Vorrat an „Boah“ und „Geil“ und genieße einfach die Natur. Das macht sooo viel Spaß – unglaublich!

Moni und Fritz versuchen mich in den Schnee zu schmeißen … blieb aber bei dem Gedanken! Oder habt ihr schon mal gesehen, dass zwei BobbyCars einen 40-Tonner abdrängen? Lächle bei ihren Versuchen ganz entspannt …

Am Abend dann lustige Spielchen, Singen zur Gitarre, ein wenig Allohoool … und Zeit rückblickend über die Woche nachzudenken!

 

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Sonntag, 03.02.13

Wir kommen alle heil wieder im Pott an – es war eine tolle Woche! Mit euch allen! Vielen, vielen Dank!

„Glück auf“ und „Ski Heil“! Kalle

P. S.: ein besonderer, ganz ehrlicher Dank selbstverständlich an Christine und Dieter!

P. P. S.: Wenn ihr mich lasst, fahre ich wieder mit!

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