Salzburgring

Eine Saison ohne Rennen war für Carla Winkelmann und Nils Jerzynka undenkbar. So kombinierten sie ihren Sommerurlaub mit einem Rennen in Österreich.

Am Sonntag, den 30.08.2020, sollte es dann soweit sein. Nachdem beide am Vortag im strömenden Regen ihre Startunterlagen abgeholt hatten, sahen auch die Wetterbedingungen für den Renntag nicht gut aus. Doch davon ließen sie sich nicht beirren. Auf dem Weg zum Parkplatz stand zunächst eine Fieberkontrolle an, welches aber die einzige wirkliche Schutzmaßnahme bleiben sollte. Noch im Auto wurde darüber diskutiert, ob die zwei Regenrollen pro Skate ausreichen, ob es vier sein sollten oder der Himmel vielleicht doch aufklart. Beide entschieden sich aber dafür, das vorher gewählte Material beizubehalten und so auf eine erste Testrunde auf dem Salzburgring zu gehen.

Noch war der 4,2km lange Rundkurs komplett feucht, ließ sich aber gut skaten, bis es zum ersten Anstieg kam. Dieser zog sich über eine Strecke von mehr als einem Kilometer und forderte beim Einrollen schon eine Menge Kräfte, sodass sich beide Sportler fragten, ob es dich richtige Entscheidung war, hier an den Start zu gehen. Doch bei beiden gilt das Motto „Wer sich anmeldet, startet auch!“ So wurde nach der Runde noch viel auf Wettervorhersagen und den Himmel geschaut, um dann festzustellen, dass die Strecke zum Rennen komplett abtrocknen sollte.

Salzburgring Start Carla

Bei knapp 25°C ging es zur Startlinie, von der jede Sportlerin und jeder Sportler im 15-Sekunden-Takt startete. Das Rennen, welches normalerweise als Marathon ausgetragen wird, war in diesem besonderen Jahr ein Einzelzeitfahren-Halbmarathon. So war jeder Teilnehmer auf sich allein gestellt und es gab kein Windschattenfahren. Carla war die erste von beiden und hatte ihre Startzeit am Ende des Frauenfeldes. Neben jedem Skater startete parallel auch noch ein Skiroller, bei dem stets darauf geachtet werden musste, nicht von den Stöcken getroffen zu werden. Sie ging das Rennen vorsichtig an, um Kräfte für die letzten Anstiege zu haben, aber gab trotzdem alles, um das Ziel zu erreichen. Wenige Minuten nach ihr ging Nils an den Start und fand schnell seinen Rhythmus durch die erste Schikane der Rennstrecke und der folgenden Abfahrt. Beide hatten gute erste Rundenzeiten, doch von Runde zu Runde, insgesamt gab es fünf, war ihnen anzumerken, dass der Berg viele Körner kostete. Dennoch gaben sie nicht auf und kämpften sich immer näher an die vorausfahrenden Skater heran, von denen sie einige überholen konnten.

Zu Beginn der vierten Runde gab es dann aber technische Probleme bei Nils, da sich seine Schiene, an der die Rollen befestigt sind, nach und nach lockerte, bevor in Runde fünf eine Schraube komplett verlor und die Schiene nicht in die gleiche Richtung fuhr wie er. So musste er mitten im Anstieg einen kurzen Boxenstopp einlegen und konnte glücklicherweise die Schiene so befestigen, dass er ohne Sturz das Rennen beenden konnte.

Im Ziel war er mit einer Zeit von 45min zwar nicht ganz zufrieden, aber in Anbetracht der Umstände, des Defekts und der selektiven Strecke stolz es geschafft zu haben. Carla folgte ihm nur wenige Minuten später mit einem Schlusssprint ins Ziel. Mit einer Zeit von 56 Minuten war sie hingegen zufrieden und konnte trotz eines ungewohnt starken Teilnehmerfeldes, mit vielen Startern aus Österreich, Tschechien und Deutschland, einen fabelhaften dritten Platz in der Hauptklasse der Damen erzielen.

Doch damit nicht genug. Am folgenden Dienstag und Mittwoch verlängerten beide noch ihren Urlaub, um nach Geisingen zu fahren und trotz schwerer Beine ein paar Trainingskilometer auf der schnellsten Skatebahn der Welt zu machen. Beide schwärmen wohl noch lange von dieser Anlage.